Erlebte Medizin

Bilderstreifen-Medizin

Leistenbruch - Leistenhernie - Bauchdeckenbruch - Bauchwandhernie

Oft ist er, vom Patienten noch nicht bemerkt, vorhanden

Ich wurde durch starke Verdauungsbeschwerden und einer auffälligen Ausbuchtung im rechten Unterbauch und zeitweilig stechenden Schmerzen im Bereich Leiste, darauf aufmerksam. Nun muss ich mich wieder einmal, zu meinem Nutzen, mit einem medizinischem Thema befassen.

Leistenbruch-2Vorab: Ich weise ausdrücklich daraufhin, dass diese Fotos nur unter dem Gesichtspunkt der medizinischen Demonstration, passend zum Artikel, veröffentlicht werden.

Im Foto ist deutlich zu sehen, dass der rechte Leistenbruch sich im Stehen stark nach vorne wölbt. Im Liegen bildete er sich über sieben Wochen immer wieder zurück.
Der linke Bruch, sehr viel kleiner, wurde erst bei einer chirurgischen Untersuchung festgestellt. Ich hatte das nicht als Leistenbruch empfunden. Wie man sich als Patient täuschen kann!

Wegen meines Allgemeinzustandes entschloss ich mich für eine Voll- Allgemeinnarkose, obwohl mir vom Anästhesisten eine Spinal- Periduralnarkose nahegelegt wurde. Im Nachhinein erfuhr ich noch, dass bei der Leistenbruch-Operation auch eine örtliche Betäubung (Lokalanästhesie) häufig angewandt wird.

Bei mir wurde ein Kunststoffnetz, sogenanntes Meshgewebe, verwendet; das moderne und leichte TiMesh, als das Titannetz ist vielleicht noch zu teuer. Meine Operationtsmethode vermutlich nach Lichtenstein (ich habe vergessen zu fragen). Das bevorzugte Material ist heute Polypropylen, es soll eine gute Gewebeverträglichkeit haben. Es gibt aber auch anderes Gewebematerial. Von Bedeutung ist, dass jedes Konststoffnetz vom Organismus lebenslang als ein Fremdkörper empfunden wird und dementsprechend reagieren kann. Was bei mir eingebaut und vernäht wurde weiss ich nicht. Bis ca. vier Monate nach der Operation verspürte ich im linken, kleinen oberen Operationsbereich eine ca. 4cm lange und dicke steife Verhärtung, die sich inzwischen weich verwachsen hat.

Modernstes und dünnstes Kunststoffnetz wird galvanisch mit Titan beschichtet

Der Operationszeitpunkt zog sich etwas hin, weil meine körperliche Situation wegen der Herzbelastung und wegen Asthma, mit diesen Risiken abgestimmt werden musste.
Schonung war für mich angesagt. Nach jeder kleine Mahlzeit, legte ich mich hin und drückte den Darm langsam wieder zurück. So liessen sich Magenschmerzen in Verbindung mit sehr starken Schmerzen durch Blähungen etwas mildern. Ich achtete darauf, dass sich keine Darmschlinge einklemmen konnte, die evtl. eine Notoperation ausgelöst hätte.

Leistenbruch-1Im Vorgespräch wurde mir erklärt, dass die Leistenbruch-Operation eine der häufigsten Operationen in der allgemeinen Chirurgie seien. Ein Risiko sei, bei allem Vorbehalt, so gut wie nicht vorhanden. Auf Grund der zuvor genannten Risiken und meines Alters, wurde die Operation stationär vorgenommen (Dauer ca. zwei Stunden). Zumindest bei einem einseitigen Leistenbruch wird die OP heute i.d. Regel ambulant laparoskopisch durchgeführt. Abhängig aber immer vom Zustand des Patienten.
Wenn der Patient wieder im Krankenzimmer ist, kann das wie in diesem rechten Bild aussehen.

Leistenbruch-3Bei mir hatte sich der Bruch nicht bis in den Hodensack ausgedehnt. Das gerissene Muskelgewebe der Bauchdecke musste durch ein Kunststoffnetz verstärkt werden

FAZIT für mich:
Durch jahrelangen chronischen Husten (starke Anfälle durch Asthma), Verdauungsstörungen (Verstopfung) und pressen beim Stuhlgang, verursacht auch durch Medikamente, kann das Bauchdeckengewebe geschwächt haben. Schwer gehoben habe ich schon lange nicht mehr. Selbst "sich strecken und recken" lasse ich nun bleiben.
Tipp: Druckstau im Bauchraum unbedingt vermeiden! Das heisst: bei jeder Kraftanstrengung darauf achten, dass der Atem nicht angehalten wird, wozu der Mensch zwangsläufig neigt. Das gilt insbesondere für alle Sportarten und auch bei krankengymnastischen Übungen neigt "man" dazu, die Luft anzuhalten.

ccFoto: Krankenhausgruenstadt
MIC Bruchoperationen: Die minimal-invasive Chirurgie ermöglicht eine Operation des Leistenbruchs vom Bauchraum aus. Durch kleine Einschnitte werden das Kamera-Endoskop und spezielle Operationsbestecke von der Nabelgegend zur Bruchlücke an der Hinterwand der Bauchdecke geführt. Beim Leistenbruch wird der Gewebespalt zwischen Bauchfell und der Bauchdecke mit Kohlendioxidgas gefüllt, um das Operationsfeld zugänglich zu machen. In fast allen Fällen reicht der entstandene Raum aus, die Operation auf diese schonende Weise auszuführen. Mit der Kamera und dem hochauflösenden Monitor kann die Bruchstelle zur Festlegung des Operationsvorgangs untersucht werden. Unter Zuhilfenahme weiterer, über kleine Hautschnitte eingeführter Instrumente wird ein Netzimplantat hinter die Bruchstelle geklammert. Diese Methode gibt unmittelbar nach der Operation Festigkeit und eine gewisse Belastbarkeit. Liegt eine generelle Bauchdeckengewebeschwächung vor, kann durch großflächiges Anbringen eines einwachsenden Netzes der drohenden Bruchgefahr vorgebeugt werden.

Wenn man sich als Patient umhört, mit anderen "am Bruch Operierten" spricht, erhielten sie unterschiedliche Empfehlungen zur Schonung bzw. der Wiederbelastbarkeit. Das mag ja von Fall zu Fall unterschiedlich sein, mir wurden auch 3-6 Wochen genannt, aber nicht mehr die Belastbarkeit wie früher empfohlen.

-hs/ms-

© 1996-2011 ✴ HemaPräsenz: ✴ http://medizin.old-schulte.de/

Letzte Änderung: 05/07/2010 - 22:00 Uhr