Erlebte Medizin

Bilderstreifen-Medizin

Herzkranzgefässe

Herzkatheder - Ballon-Dilatation - Stent-Implantation
Vorstufe zum Herzinfarkt oder dessen Vermeidung?

Bei mir war die Diagnose für die Mediziner wie für mich überraschend. Feststellung während einer Ballon-Dilatation der Herzkranzgefässe um unklare Befunde abzuklären.

Herz-1Foto: Hexal

Der Herzmuskel ist deshalb für den Menschen von so immenser Bedeutung, weil er den ganzen Körper mit Blut, den darin enthaltenen Nährstoffen und vor allem auch mit Sauerstoff versorgen muss.
Es sind die Herzkranzgefässe, genauer die Koronararterien welche das Herz umschliessen, versorgen den Herzmuskel mit allem was er braucht um zu funktionieren.

Die beiden grossen Arterien zur Versorgung des Herzens, zweigen links und rechts von der Hauptschlagader unseres Körpers, der Aorta, oberhalb des Herzens ab. In dieser Darstellung für medizinische Laien nicht beschriftet.

Anmerkung zum Ballon-Katheder:
Vermutlich wissen nur wenige Patienten etwas über die Entwicklung und Anfänge dieses OP-Verfahrens. Mich interessierte es.
Der erste OP bzw. Behandlung mit diesem Katheder (PTCA) machte der im Jahre 1939 in Dresden geborene Dr. Andreas Grüntzig am 12. Februar 1974 in Zürich/Schweiz. Seine wissenschaftliche Mitarbeiterin war Dr. Maria Schlumpf, die an der Entwicklung des Ballonkatheders beteiligt war. Das als Hintergrundinfo.

KathederFoto: Biotronik Periphere Dilatation: Bereich Becken- Beinarterie.
Wie zu Beginn erwähnt, ging ich in das Herzzentrum um einen unklaren Befund beim Belastungs-EKG abzuklären. Wegen meiner asthmatischen Beschwerden war ich medikamentös nur für den Herzkatheder zur Untersuchung vorbereitet. Ich musste also erst auf die Ballondilatation vorbereitet werden.

Ich hatte einfach Glück. Beide Herzkranzgefässe waren derart verengt (einmal auf 65 Prozent, die andere auf 90 Prozent), dass zunächst eine Aufweitung gemacht wurde die auch wirklich stehen blieb. Stents habe ich bis heute, nach acht Jahren, nicht erhalten. Allerdings habe ich ab diesem Zeitpunkt meine Lebensführung erneut weiter einschränken müssen. Erforderliche Medikamente nehme ich regelmässig und hatte einigemale mit einigen sehr unangenehmen Nebenwirkungen zu tun. Mein Gewicht ging auf 54 Kg herunter.

Ballondilatation
Foto: Main-Taunus-Privatklinik
Diese Grafik zeigt u.a. auch die beiden Herzkranzgefässe und wie sie am Herzmuskel aufsitzen.

Die weiteren Phasen zeigen:

  1. Der Katheder mit dem Ballon wird vorgeschoben
  2. Der Ballon wird an der erforderlichen Stelle im Herzkranzgefäss aufgeblasen und weitet somit zwangsläufig die Arterie
  3. Der Katheder mit einem Stent wird vorgeschoben
  4. Der Stent wird an der erforderlichen Stelle im Herzkranzgefäss platziert, auch geweitet und hält somit die Arterie durchgängig offen

Alle diese Phasen werden unter Röntgenkontrolle an einem Monitor überwacht und können vom Patienten, falls gewünscht und auch möglich, selbst verfolgt werden. Der Vorgang, wie weit der Ballon die Stenose (Engstelle) dehnen kann, wird per Computer gesteuert. Das gilt auch für das Einsetzen eines Stent.

BallonStentFotos: Main-Taunus-Privatklinik Diese beiden Grafiken zeigen noch einmal die Anwendung einer Ballon-Dilatation zur Weitung durch Dehnung einer Stenose und das Setzen eines Stent nach dem gleichen Verfahren. Ich habe diese Abbildungen noch eingefügt um zu zeigen, wie eine Verengung (Stenose) mittels Ballon allein und ein Stent platziert und mittels Ballon passend verankert wird.
Mir wurde erklärt, dass meine Arterien noch elastisch genug sind und (noch) keinen Stent brauchen. Nicht dargestellt wird, dass die Arterie sich im Bereich der Stenose nach der Weitung dehnt. Da soll dann die Gefahr bestehen, dass die Gefässwand einreisst. Dieser kritische Punkt wird vom Kardiologen per Computer überwacht, wenn z.B. zwei oder sogar drei Dehnungsversuche von je ca. 1s Dauer gemacht werden (Soweit die ärztliche Erklärung bei mir).

StentgrossFoto: Eagle.com Stents werden eingesetzt wenn nach einer versuchten Ballon-Dilatation der Stenose diese nicht stehen bleibt und eine mechanische Unterstützung nötig ist.
In einer Ärztezeitung habe ich gelesen, dass es Stents gibt welche mit Medikamenten beschichtet sind und somit eine höhere Standzeit haben. Leider werden diese von den gesetzlichen Krankenkassen wohl noch nicht allgemein bezahlt. Deutschland zähle damit auf diesem Gebiet zu den Schlusslichtern in der westlichen Welt (das so aus meiner Erinnerung interpretiert). Diese Grafik zeigt u.a., wie sich die Arterie im Bereich der Stenose nach aussen wölbt.

Die Entwicklung und auch die längere Erfahrung mit Stents haben dazu geführt, dass heute, im Jahre 2010, dieses Thema sehr widersprüchlich diskutiert wird. Als mediz. Laie kann ich zusammenfassen, dass jeder Stenttyp nicht von jedem Patienten gleich gut vertragen wird bzw. sich optimal einfügt. Diese Aussage basiert auch auf Gespräche mit anderen Patienten und deren oft jahrelangen Erfahrungen.
Allein, dass ein Stent mit eingelagerten Medikament-Wirkstoff beim Patienten über eine längere Zeit voraussetzt, i.d. Regel sechs Monate, dass er ein starkes Medikament zur Blutverdünnung einnehmen muss, lässt das Risiko mit Hämatomen rechnen zu müssen, steigen.

HaematomDieses Foto habe ich mit Absicht an den Schluss gesetzt und stelle es für den medizinischen Hintergrund zur Verfügung. Es soll nicht abschrecken obwohl es abschreckend wirkt.

Das war meine eigene Erfahrung im Jahre 1999. Die Wirklichkeit sah nach zwei weiteren Tagen noch schlimmer aus. Leider ist davon kein Foto vorhanden. Die Hämatome zogen sich im Hüftbereich bis zu den Pobacken hin. Vorne bedeckten sie den Bereich bis unter dem Bauchnabel. An den Oberschenkeln zogen sie sich, innen und vorne, hinunter bis an die Knie.
Speziell zu Hämatomen s.a. Hämatome

Obwohl das heute nicht mehr passieren kann, soll das seinerzeit aber auch eine unerklärliche Ausnahme gewesen sein. Mein Körper musste in der Vergangenheit mit Medikamenten traktiert werden, vor allem im Bereich Asthma. Dazu Blutverdünner und meine insgesamt geschwächte Immunabwehr in Verbindung mit starkem Untergewicht.

So kann das Setzen eines Herzkatheders in beiden Leisten auch ausgehen!

Ein kurzer Erfahrungsbericht, wie sich meine Situation weiter entwickelt hat:

Arterie-Stent

In beiden Fällen, also zwei Stents einsetzen und dann die Dehnung beider Stents, musste ich für 4 Wochen ein starkes Medikament zur Blutverdünnung einnehmen. Eine erneute Kontrolle ist nun erst nach 6 Monaten erforderlich, sofern sich mein Zustand nicht verschlechtert.

In der Grafik, innerhalb der gelben Umrandung, habe ich mit _1_ und _2_ die Stellen kenntlich gemach wo bei mir die Stents sitzen.

Die 2. Nachuntersuchung nach sechs [6] Monaten musste ich wegen einer anderen Verletzung Haut-OP auf neun [9] Monate verschieben.
Ergebnis:
Die beiden implantierten Stents stützen die Arterien. Am Ende einer anderen Arterie wird eine feine Verästelung nicht mehr mit Blut versorgt. Das ist nicht behandelbar und kann bzw, muss toleriert werden. Die Funktion des Herzmuskels ist dadurch nicht eingeschränkt.
Die Ballondilatation an der Herzhinterwnd, vor 10 Jahren, "steht" weiterhin zur Zufriedenheit.
Eine weitere Untersuchong mittels eines Hezkatheders ist u.Zt. nicht erforderlich. Die weitere Beobachtung übernimmt wieder ein Kardiologe ambulant.
Ich werde zum Ende des Jahres 2010 80 Jahre alt und kann zufrieden sein! Ich bin es auch!

Ergänzung: Ein weitere Kontrolluntersuchung, nach sechs Monaten, bei einem Kardiologen zeigte keine negativen Veränderungen. Allerdings ist auf Grund meines Lebensalters, eine regelmässige halbjährige Kontrilluntersuchung empfehlenswert.

-hs/ms-

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Letzte Änderung: 06/05/2011 - 19:05 Uhr